Mensch und Tier: Eine globale Studie zeigt, in welchen Ländern Hunde am meisten geliebt werden

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Jede Kultur pflegt eine eigene Beziehung mit den felligen Vierbeinern, könnte man denken. Eine Studie zeigt: Die Unterschiede sind viel kleiner als gedacht

Treuer Begleiter und bester Freund: So sieht man Hunde in Deutschland meistens. Seit einigen Jahren beschäftigt sich auch die Forschung verstärkt mit der tiefen Beziehung zwischen Mensch und Hund, und viel Wissen ist bereits daraus gewachsen. Nur deckte die Forschung bisher vor allem das Verhältnis ab, das wohlhabende, westliche Kulturen zu ihren Haustieren pflegen. Dabei wird ein Großteil aller Hunde – etwa 75 Prozent – unter völlig anderen Umständen gehalten. Wie steht es also in Ländern mit der Freundschaft, in denen das Leben ganz anders aussieht als hier?

Dafür interessiert sich auch Kognitionspsychologin Dr. Juliane Bräuer von der Universität Jena und ihr Team, ihre Studie ist gerade im Wissenschaftsjournal «Scientific Reports» erschienen. Denn die besondere Hund-Mensch-Beziehung sagt viel darüber aus, wie wir zu dem wurden, was wir sind: Ist sie ein universelles Ergebnis der gemeinsamen Evolution und Domestikation – oder vor allem kulturell geprägt? 

Um diese Frage zu beantworten, untersuchten die Forschenden Jäger-Hund-Beziehungen in fünf Regionen: Deutschland, Madagaskar, Mongolei, Peru und Vanuatu.  «Wir haben uns speziell auf Jagdhunde konzentriert, weil Mensch und Tier hier besonders eng kooperieren müssen», erklärt Bräuer. «Vermutlich war genau diese Kooperation sogar ein zentraler Faktor für die Domestikation des Hundes – als erstes domestiziertes Tier überhaupt.»

Die fünf Regionen unterscheiden sich dabei kulturell und landschaftlich sehr, weshalb die Forschenden auch mit vielfältigen Beziehungsformen rechneten. Im ländlichen Deutschland sind Jagdhunde hochspezialisiert, befinden sich in Privatbesitz und werden auf Gehorsam trainiert, müssen sogar offizielle Prüfungen ablegen. Im Inselstaat Vanuatu spielen Hunde eine zentrale Rolle bei der Jagd auf Wildschweine in dichten Wäldern. Der Jagderfolg hängt stark von der Fähigkeit der Besitzer ab, die Signale ihrer Hunde zu deuten. In der Mongolei werden Hunde ähnlich wie in Deutschland zu Jagd- und Wachzwecken gehalten, formelle Trainingsprogramme gibt es jedoch kaum. In Madagaskar sind Hunde für die Jäger im Dschungel unverzichtbar, um den Lebensunterhalt zu sichern – während die Jäger in den Shipibo-Konibo-Gemeinschaften im peruanischen Amazonasgebiet manchmal auch ohne sie auf die Jagd gehen.

Insgesamt nahmen 164 Hund-Mensch-Teams an sechs standardisierten Verhaltenstests teil. Die Forschenden wollten wissen, wie gehorsam die Tiere waren, wie gut sie die Gesten der Menschen verstanden, ob sie in unsicheren Situationen Hilfe suchten und Menschen gezielt auf etwas aufmerksam machen konnten. Ihre Besitzer füllten außerdem einen Fragebogen aus, um die Bindung zu ihren Hunden zu beschreiben.

Die Testergebnisse überraschten selbst die Forschenden. «Wir hatten erwartet, deutliche kulturelle Unterschiede zu finden», sagt Bräuer. Tatsächlich aber sei «die Hund-Mensch-Beziehung weltweit erstaunlich universell.» Sie funktioniert überall fast identisch: Hunde verstanden in allen Regionen menschliche Gesten, kommunizierten aktiv mit ihren Besitzern und orientierten sich in schwierigen Situationen stark an ihnen. Auch bei den Besitzern gibt es große Ähnlichkeiten. Die meisten sagten, dass sie sich auf ihr Tier verlassen würden und es sie in bedrohlichen Situationen beschütze. Zwischen den einzelnen Regionen finden sich aber auch Unterschiede: Hundebesitzer in Deutschland und der Mongolei glauben deutlich häufiger, dass ihre vierbeinigen Freunde ihre Gefühle verstehen, als jene in Peru. Diese wiederum bereuten deutlich häufiger, einen Hund zu besitzen, als in allen anderen Ländern.

Die Forschenden konnten sogar einen Index für die Qualität der Beziehung zwischen Mensch und Hund erstellen. Die Unterschiede sind zwar nicht sehr groß, aber ergeben doch ein Ranking: Peru liegt deutlich auf dem letzten Platz, danach kommt die Mongolei – dicht gefolgt von Deutschland und Madagaskar, die gleichauf liegen. Und am innigsten ist die Beziehung zwischen Mensch und Vierbeiner in Vanuatu. In einem allerdings herrschte zwischen allen weitgehend Konsens: Ein Leben mit Hund ist besser als ohne.

Борис Рогачёв

Борис Рогачёв — журналист из Ярославля с 12-летним опытом работы в медиа. Специализируется на культурных событиях и новостях общества. Начинал карьеру в локальных изданиях, затем работал внештатным автором в федеральных СМИ.