Über ihre traumatische Geburt schweigt Anna Adamyan lieber und erklärt im GALA-Interview die Gründe. Außerdem spricht die Influencerin über ihre Ängste in der aktuellen Schwangerschaft, ihre Therapie und wieso sie mit ihren mentalen Problemen im privaten Umfeld auf Unverständnis stößt.
Als Anna Adamyan, 29, mit GALA im Jahr 2022 über ihre Petition «#KiWuFürAlle» sprach, die sie mit einer Ärztin startete, litt die Autorin unter ihren Fehlgeburten und ihrem unerfüllten Kinderwunsch. Mittlerweile erwarten die ehemalige GNTM-Kandidatin und ihr Ehemann, der Fußballprofi Sargis Adamyan, 33, ihr zweites Baby – einen Jungen. Hinter Anna liegen wunderschöne Jahre, aber auch Momente voller Angst, Therapie und eine traumatische Geburt, über die sie nicht gerne spricht. GALA hat sie nun die Gründe für ihr Schweigen erklärt und über ihre aktuellen Ängste in der Schwangerschaft gesprochen.
Außerdem verrät Adamyan, wieso sie mit ihren mentalen Problemen im privaten Umfeld auf Unverständnis stößt. Doch erst einmal gibt es etwas zu feiern. Denn ihre Petition #KiWuFürAlle ist durch den Bundestag und kann hier fleißig unterzeichnet werden.
Anna Adamyan kämpft einen mühsamen Kampf: «Viele verstummen»
GALA: Mit der Petition #KiWuFürAlle setzen Sie sich seit 2022 für eine faire Kostenübernahme bei Kinderwunschbehandlungen ein. Was muss sich ändern?
Anna Adamyan: Statt der bisher 50 Prozent sollen 100 Prozent der Kosten übernommen werden. Momentan ist es noch so, dass die Hälfte die gesetzliche Krankenkasse übernimmt und die andere Hälfte aus eigener Tasche bezahlt werden muss. Zusätzliche Zuschüsse, um die eigenen Anteile zu senken, gibt es – stand jetzt – in neun von 16 Bundesländern: Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

© Lena Hogenkamp
Ein weiteres großes Problem: Die Kostenübernahme ist weiterhin an Faktoren geknüpft, die unfair sind.
Die Paare müssen verheiratet sein, dürfen nicht älter als 40 (bei Frauen) und 50 (bei Männern) Jahre alt sein und gleichgeschlechtliche Paare fallen raus. Unverheiratete Paare müssen erheblich mehr zuzahlen, weil laut Gesetz momentan nur verheiratete Paare Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse für medizinische Kinderwunschbehandlungen erhalten. Das ist unfair und soll sich ebenfalls ändern.
Erkrankungen wie Endometriose sowie Fehl- und Totgeburten, traumatische Geburten und postnatale Depressionen gelten weiterhin als Tabuthemen. Was muss sich ändern, damit Frauen sich trauen, offener darüber zu sprechen?
Wir haben gesellschaftlich noch viel aufzuholen. Frauengesundheit und Menschen mit Uterus, die an starken Schmerzen leiden, werden oft nicht ernst genommen. Es herrscht oft noch ein veraltetes Denkmuster. Immerhin hat sich im Gegensatz zu damals schon einiges getan. Dennoch habe ich das Gefühl, dass viele Leute die Erkrankungen und Themen rund um Frauengesundheit weiterhin nicht ernst nehmen und aufgrund der fehlenden Unterstützung darin auch noch bestätigt werden.
Ein weiteres Problem: Es kostet Betroffene von beispielsweise Fehlgeburten sowieso schon viel Kraft, damit zu leben und sich zu öffnen. Die haben oft keine Energie mehr, weiterzukämpfen und mit anderen, die sie nicht ernst nehmen, zu diskutieren und sich zu rechtfertigen. Das ist vielen zu mühsam. Deshalb verstummen sie.
Traumatische Geburt: Ein Thema, zu dem Anna lieber schweigt
Sie selbst sprechen beispielsweise kaum über Ihre erste traumatische Geburt. Wieso?
Es wird in den sozialen Medien viel verglichen.
Deshalb spreche ich so selten über meinen traumatischen Kaiserschnitt. Dann heißt es oft: «Sei froh, dass dein Kind noch lebt, meines ist gestorben».

© Lena Hogenkamp
Während Ihrer aktuellen Schwangerschaft und der bevorstehenden Geburt kommen viele verdrängte Ängste hoch, die Sie belasten. Welche sind das?
Ich habe oft Angst, etwas falsch zu machen und dadurch mein Kind zu verlieren. Ich war letztens beispielsweise im Baumarkt und habe einen 15 Kilo schweren Sack geschleppt. Ich habe danach direkt Panik bekommen. Mein Kopf ratterte und ich fragte mich: «Schei**, was ist, wenn das jetzt zu schwer war?» Deshalb gehe ich alle zwei Wochen zum Ultraschall und zu meiner Hebamme und lasse die Herztöne abhören.
Große Ängste während der Schwangerschaft
Wie sind die Ängste jetzt im Vergleich zur Schwangerschaft mit Ihrem ersten Sohn?
Da waren die Ängste noch viel schlimmer und haben mich mental mehr belastet.
Ich habe bis zur 23. Schwangerschaftswoche kaum die Wohnung verlassen, weil ich immer Bedenken hatte, dass ich dem Baby und mir zu viel zumute.
Jetzt habe ich den schönsten Beweis, dass es klappen kann, zum Glück zu Hause. Das hilft mir.
Deshalb fällt es Anna Adamyan schwer, ihr Babyglück anzunehmen
Nach der insgesamt zwölf künstlichen Befruchtung – die anderen elf wurden vor der Schwangerschaft mit ihrem Sohn durchgeführt – sind Sie dann doch noch auf natürlichem Weg schwanger geworden. Wie fühlt sich das an?
Damit hat niemand gerechnet. Deshalb hat sich das auch so plötzlich angefühlt. Gleichzeitig fällt es mir schwer, das zu begreifen. Ich kann dieses Glück nicht so einfach annehmen. Das soll nicht undankbar klingen, aber mir fällt es schwer, das anzunehmen, dass gerade einfach alles gut läuft, weil immer alles schief ging.

© Anna Adamyan
Im ersten Trimester hatten Sie mit starker Schwangerschaftsübelkeit zu kämpfen, wegen der Sie im Krankenhaus lagen. Hat das Ihre Ängste verstärkt?
Ja, auch wenn es dem Baby die ganze Zeit gut ging. Für mich war das schwer vorzustellen, weil ich mir dachte: «Wie kann es dem Baby denn gut gehen, wenn ich hier nur am Brechen bin und es mir so schlecht geht?» Ich achte deshalb sehr auf meinen Körper. Wenn ich starke Schmerzen habe, bin ich direkt verunsichert und fahre zu meinem Gynäkologen, um das abzuklären. Nach einem anstrengenden Nachmittag ruhe ich mich abends lieber aus.
Aufgrund Ihrer Ängste haben Sie sich für eine Therapie entschieden. Es ist aber nicht ihre Erste.
Ich habe bereits damals in Heidelberg vor der Geburt meines Sohnes nach einem Therapeuten gesucht – leider lange, weil ich gesetzlich versichert bin. Ich habe zwar das Privileg, mir das selbst leisten zu können, aber ich sehe es nicht ein. Die Kosten durch die Endometriose und Kinderwunschbehandlungen sind sowieso schon so hoch. Ich bin damals zu Prof. Dr. Tewes Wischmann gegangen, einem psychologischen Psychotherapeuten, der sich auf unerfüllten Kinderwunsch spezialisiert hat. Da habe ich Sitzungen nach Bedarf, auch mit meinem Ehemann und nach meinen Fehlgeburten, wahrgenommen. Dann habe ich lange keine Therapie gehabt, obwohl es nach der traumatischen Geburt sehr wichtig gewesen wäre. Mir war das aber alles zu viel.
Anna ist wegen ihrer Ängste erneut in Therapie
Jetzt sind Sie wieder bei Ihrer Therapeutin aus Heidelberg in Behandlung. Worum geht es in der Therapie?
Ich habe vorher lange eine Verhaltenstherapie gemacht und seit 2021 eine Schematherapie. Da arbeitet man mit verschiedenen Stühlen: also mit der Person im Erwachsenen-Modus, mit Anna, die die Situation erlebt hat, und mit einem neutralen Beobachter. Ich spreche dann oft mit mir selbst.
Es geht viel um meine generellen Ängste, um meine traumatische Geburt, aktuell auch um die Vorbereitung auf meine bevorstehende Geburt und um Verlustängste.

© Anna Adamyan
Manchmal spreche ich auch mit meinem Mann, der nie eine Therapie gemacht hat, darüber und erkläre ihm, was ich Neues gelernt habe. Er profitiert dann auch von diesen Aha-Momenten, was total schön ist.
Was haben Sie durch Ihre Therapie über sich gelernt, was Ihnen hilft?
Ich habe gelernt, dass viele Dinge, die mich triggern, aus einem Verhaltensmuster heraus stammen und nicht im Alltäglichen begründet liegen. Die Verhaltensmuster sind wiederum durch Traumata oder Erlebnisse in der Kindheit und Jugend entstanden. Ich hinterfrage oft, ob das Problem jetzt ist, dass mein Mann den Geschirrspüler nicht ausgeräumt hat, obwohl ich ihn darum gebeten habe, oder dass mir eine Person nicht geantwortet hat. Oder ist das eigentliche Problem, dass ich mich nicht gesehen gefühlt habe und dass das daherkommt, dass ich sechs Jahre lang darum kämpfen musste, dass mir überhaupt jemand zuhört. Ich schaffe es, Dinge anders zu projizieren. Die Erkenntnis hilft mir, im Trigger-Moment besser mit der Situation umzugehen.
Gibt es noch einen Tipp ihrer Therapeutin, der Ihnen hilft und den Sie weitergeben können?
Ich leide auch unter Flugangst und meine Therapeutin hat mich letztes Jahr, als wir mit unserem Kind in den Urlaub geflogen sind, gefragt: „Wenn Ihr Sohn im Flieger sitzt und Angst hat, was würden Sie dann machen?“ Ich habe direkt losgesprudelt und würde zu ihm sagen: «Mein Engel, ich verstehe deine Angst. Du darfst so fühlen, aber alles wird gut.» Meine Ärztin meinte dann zu mir: «Und wieso sagen Sie das dann nicht zu sich selbst?»
Anna stößt im privaten Umfeld auf Unverständnis – wegen ihrer mentalen Probleme
Konnten Sie Aspekte aus der Therapie mitnehmen, die die Erziehung Ihres Sohnes beeinflussen? Würden Sie bei der Erziehung gerne etwas anders machen?
Nein, da habe ich zum Glück auch keine Probleme (lacht). Es ist eher so, dass mein Sohn mich therapiert – aber gar nicht im negativen Sinn. Er heilt super viel in mir, auch wenn das gar nicht seine Aufgabe ist. Ich erkenne durch den Kleinen viele Muster, die in mir verankert sind, die bei mir Dinge hochholen, über die ich sprechen muss.

© instagram.com/annaadamyan
Wie sind die Reaktionen aus Ihrem privaten Umfeld auf Ihre mentalen Probleme? Erfahren Sie da stets Verständnis oder wurden Sie auch mal mit Unverständnis konfrontiert?
Ich stoße gefühlt auf mehr Unverständnis im privaten Umfeld als auf Social Media. Damit meine ich nicht meine Freunde, sondern eher das Umfeld, das mit mentalen Problemen keine Berührungspunkte hat, weil man früher kaum über sowas gesprochen hat. Ich bin ein sehr direkter Mensch.
Wenn ich der Meinung bin, dass mir beispielsweise Familienmitglieder meine Ängste absprechen wollen, weise ich sie darauf hin. Nur weil man selbst diese Ängste nicht erlebt, heißt das nicht, dass die nicht existieren.
Ich gehe dann oft in Diskussionen, weil ich wirklich will, dass sie verstehen, dass die Situation, in der ich bin, nichts Selbstgewähltes ist. Mich stören meine Ängste ja auch. Die, die diese Äußerungen tätigen, würden selbst von einer Therapie profitieren. Therapie steht oft in einem Kranken-Kontext, aber sie könnte auch Menschen helfen, die keine Diagnose haben, um sich selbst zu reflektieren und Dinge anders zu sehen.
Verwendete Quellen: endometriose-vereinigung.de, informationsportal-kinderwunsch.de
