Die Temperaturen bei uns klettern in die Höhe, gleichzeitig sagen die Wetterbehörden einen Super-El Niño voraus. Wie hängen die beiden Phänomene zusammen?
Anzeichen gab es schon vor Monaten, jetzt ist es offiziell: 2026 ist wieder El Niño-Jahr. Sogar ein Super-El Niño könnte es werden, der sich bis auf die Nordhalbkugel ausbreitet, die Wahrscheinlichkeit dafür liegt derzeit bei 63 Prozent. Tritt der Super-El Niño tatsächlich ein, wird er voraussichtlich «zu den stärksten El Niño-Ereignissen in den historischen Daten seit 1950 gehören», heißt es von der renommierten US-Wetterbehörde NOAA.
Deswegen droht Deutschland und Europa aber keine Hitzewelle: Erstens zeigen sich die Auswirkungen von El Niño verzögert. Die US-Wetterbehörde NOAA sieht sie auf der Nordhalbkugel frühestens für den Herbst 2026 und den Winter 2027 voraus. Und zweitens: Auf dieser Seite des Nordatlantiks hat El Niño kaum Effekte auf das Wetter. Theoretisch könnte er im Herbst für höhere Temperaturen und im Winter für Kälteeinbrüche sorgen, praktisch ist der Effekt kaum nachweisbar. Ein Zusammenhang zwischen dem Phänomen und dem Wetter in Europa gilt Klimaforschenden als kaum gesichert – obwohl die El Niño-Ereignisse 1997/98 zu den Überflutungen in Frankreich und Italien, sowie 2015/16 zu den Dürren in Südeuropa beigetragen haben könnten.
Mehr Hitze und Dürren – aber nicht durchEl Niño
Aber 39 Grad in Baden-Württemberg am Wochenende? Damit hat El Niño definitiv nichts zu tun. Viel entscheidender für Extremwetter kommt bei uns die globale Erderwärmung zum Tragen: Die Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigen, dass Jahre mit mehr als zehn Hitzetagen über 30 Grad noch bis 2015 noch eher die Ausnahme waren. Jetzt kommen sie deutlich häufiger vor: 2018 gab es 20 Hitzetage, 2019 und 2022 rund 17 Hitzetage sowie 2020 und 2025 11 Hitzetage – ganz unabhängig von El Niño.
El Niño und seine Gegenspielerin La Niña sind natürliche Wetterphänomene, die ihren Ursprung auf der Südhalbkugel haben. El Niño macht sich zuerst daran bemerkbar, dass sich das Wasser im Westpazifik stärker aufheizt als üblich. Nach und nach kehrt das die vorherrschenden Wind- und Wasserströmungen um. Das Wetter steht Kopf: Wo es sonst trocken oder heiß war, wird es plötzlich kühl und feucht. Bei La Niña, die meist kürzer auftritt, wird dagegen das typische Wetter verstärkt. «Den Wechsel von El Niño und La Niña kann man sich vorstellen wie eine Badewanne, wenn das Wasser von einer Seite zur anderen schwappt – bis es sich irgendwann wieder einpendelt», sagt Andrew Hoell von der US-Wetterbehörde NOAA.
All das spielt sich vor allem auf der Südhalbkugel ab. Aber nicht nur: In den USA etwa bringt El Niño das Wetter durchaus durcheinander, mit zu kühlen und feuchten Wintern im Süden und zu warmen im Norden. Aber ein El Niño-Ereignis kann auch positive Effekte für die Bewohnerinnen und Bewohner einer Region haben: Während eines El Niño-Ereignisses sinken etwa die Chancen auf verheerende Hurricanes vor der US-Ostküste im Herbst.
Weltweite Auswirkungen – auch für uns
Aber auch, wenn wir in Deutschland und Europa kaum direkte Wettereffekte durch El Niño spüren, bleibt er für uns nicht folgenlos. Denn in anderen Weltgegenden kann er katastrophale Auswirkungen haben. «Es wird erwartet, dass das ungewöhnlich warme Wetter sich in großen Teilen der Erde ausbreitet», heißt es in einem aktuellen Report der Forschungsabteilung der EU-Kommission. Dürren drohen vor allem in Australien, Südostasien, Südafrika und Zentralamerika.
In einer globalisierten Welt haben die Ereignisse in einem Land noch tausende Kilometer entfernt Folgen: Bricht etwa in Peru durch El Niño die Fischerei ein oder vertrocknen in Brasilien die Sojafelder, führt das zu Engpässen auf den Weltmärkten. Internationale Unternehmen, Versicherungen und Banken verfolgen deshalb genau, was während eines El-Niño-Ereignisses passiert. Manche beschäftigen sogar eigene Meteorologen, um die wirtschaftlichen Folgen möglichst präzise zu kalkulieren. Regierungen und NGOs richten ihre Strategien und Budgets darauf aus, betroffene Regionen zu unterstützen. «Die Auswirkungen von El Niño kommen zur fortschreitenden globalen Erwärmung, bestehenden Anfälligkeiten und Krisen hinzu“, heißt es auch im Bericht der EU-Kommission.
