Vogelzug: Eher Ost oder West? Gene bestimmen, wo Trauerschnäpper ihr Winterquartier wählen

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Warum fliegen manche Trauerschnäpper 4.500 Kilometer Umweg? Eine Studie zeigt, welche Faktoren ihre erstaunlichen Routen bestimmen und was das angesichts des Klimawandels bedeutet

Bei den tausende Kilometer langen Zugrouten von Trauerschnäppern spielen ihre Gene und ihr Herkunftsort eine Rolle. Wie sie zusammenwirken, haben Forscher mit einem besonderen Experiment gezeigt. Möglicherweise könne sich der kleine Singvogel somit zumindest ein Stück weit an den Klimawandel anpassen.

Ein ausgewachsener Trauerschnäpper misst nur etwa 13 Zentimeter. Doch im Herbst legen die Vögel bemerkenswert lange Strecken zurück: Einige Populationen fliegen nahezu 13.000 Kilometer, um ihr Winterquartier in Westafrika zu erreichen. Wie viele andere Zugvögel sind auch Trauerschnäpper durch den Klimawandel bedroht. In Deutschland steht die Art bereits auf der Roten Liste.

Ein Team um Christiaan Both von der Universität Groningen in den Niederlanden wollte daher herausfinden, wie die Tiere ihr Zugverhalten an die Erwärmung anpassen. «In früheren Studien haben wir bereits gezeigt, dass Trauerschnäpper Probleme damit haben, auf die immer zeitiger einsetzenden Frühjahre in ihren Brutgebieten zu reagieren», sagt Both auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Zusammen mit einem internationalen Forscherteam hatte er Exemplare aus acht verschiedenen Brutgebieten mit Sendern ausgestattet. So beobachteten die Wissenschaftler ein eigenartiges Phänomen: Obwohl die Brutgebiete quer über ganz Europa verteilt sind, fliegen alle Trauerschnäpper im Herbst zunächst auf die spanische Halbinsel. Dort legen sie einen längeren Stopp ein, bevor sie ihren Weg entlang der afrikanischen Westküste fortsetzen, um ihre Winterquartiere zwischen Guinea und Nigeria zu erreichen. Für die Vögel, die in Westsibirien brüten, bedeutet diese Route über 4.500 Kilometer Umweg.

Rückweg oft kürzer als Hinweg

Im Frühjahr zeigen die Tiere hingegen ein anderes Muster: Sie nehmen den kürzesten Rückweg, weil die rechtzeitige Ankunft in den Brutgebieten überlebenswichtig ist. Doch dabei stellt sich ein Problem. «An ihren Überwinterungsorten erhalten die Vögel keine Informationen darüber, wann der Frühling an ihren tausende von Kilometern entfernten Brutgebieten beginnt», erklärt Both.

Die niederländischen Forscher wollten daher herausfinden: Erlernen Jungtiere die konkreten Routen von älteren Artgenossen, wie es bei Gänsen oder Kranichen üblich ist? Oder haben sie einen genetisch vererbten Sinn für Orientierung? Das Team berichtet über das fünfjährige Experiment im Journal «Science».

Die Forschenden brachten ausgewachsene Weibchen und Eier aus den Niederlanden nach Schweden. Dort paarten sie die Weibchen mit schwedischen Männchen. Zudem ließen die Forscher die Eier von schwedischen Elternpaaren ausbrüten. So entstanden drei Populationen: genetisch rein niederländische Jungen, die von schwedischen Eltern aufgezogen wurden, gemischte schwedisch-niederländische Nachkommen und rein schwedische Jungvögel.

Forscher vorsichtig optimistisch

Das Ergebnis: Trotz ihres gemeinsamen Starts in Schweden wählten die Trauerschnäpper Winterquartiere, die ihrem genetischen Ursprung entsprachen. Tiere mit niederländischen Eltern sammelten sich im Osten der Savanne von Guinea, genetisch schwedische Vögel 315 Kilometer weiter im Westen. Die Gruppe mit gemischten Elternpaaren landete dagegen in einer Region in der Mitte zwischen beiden Zonen. «Dies ist die erste Studie, die im Feld experimentell nachweist, dass die Lage der Überwinterungsgebiete vererbt wird», sagt Both.

Doch im Frühjahr flogen alle drei Gruppen zurück in ihr Brutgebiet nach Schweden. «Wo ein Trauerschnäpper am Ende landet, hängt also nicht nur von den Genen ab, sondern auch davon, wo das Jungtier aufgewachsen ist.»

Für den Klimawandel macht die Forscher das vorsichtig optimistisch. Die außergewöhnliche Kombination von vererbtem und von der Umwelt geprägtem Verhalten habe das Potenzial dazu, dass sich Populationen entwickeln, die sich an das Klima anpassen. «Es gibt immer mehr Belege dafür, dass Trauerschnäpper den Zeitpunkt ihres Rückflugs vorverlegen. Das ist höchstwahrscheinlich auf einen evolutionären Prozess zurückzuführen», sagt Both. Offen ist allerdings, wie weit die Anpassung angesichts der fortschreitenden Erwärmung gehen kann.

Борис Рогачёв

Борис Рогачёв — журналист из Ярославля с 12-летним опытом работы в медиа. Специализируется на культурных событиях и новостях общества. Начинал карьеру в локальных изданиях, затем работал внештатным автором в федеральных СМИ.