Wenn Temperaturen gewisse Höhen erreichen, kehrt sich die Wirkung eines Ventilators um: Er wärmt statt zu kühlen. Dies gefährdet vor allem Säuglinge und ältere Menschen
Nun, da die Hitze ins Haus gekrochen ist und sich dort festgesetzt hat, setzen viele Menschen ihre Hoffnung auf den Ventilator. Doch zuweilen kühlen Ventilatoren den Körper nicht, sondern erwärmen ihn sogar – und können dann etwa für Säuglinge und ältere Menschen gefährlich werden.
Im Normalfall ist unser Körper wärmer als die Umgebungstemperatur, weshalb er die Luft in unmittelbarer Nähe erwärmt. In solchen Momenten hilft der Ventilator: Indem er die aufgewärmte Luft fortpustet, dringt kältere Luft an unsere Haut, wir kühlen ab.
Doch wenn die Lufttemperatur auf 35 Grad Celsius und mehr steigt – so wie derzeit mancherorts in Deutschland –, kann sich die Wirkungsweise umkehren, wie der New Scientist erklärt. Der Ventilator lässt immer neue heiße Luft auf uns einprasseln, unser Körper wärmt sich auf.
Daher könnte der Ventilator in diesen Tagen mancherorts mehr schaden als helfen. Die meisten Menschen merken das intuitiv, sie sollten ihrer Wahrnehmung vertrauen. Gefährlich wird es eher für solche, die den Ventilator nicht selbstständig ausschalten oder Probleme nur schwer rückmelden können. Also ausgerechnet jene, die ohnehin am meisten unter der Hitze leiden: die ganz Jungen und die ganz Alten. Wer Säuglinge oder alte Menschen in diesen Tagen dem Ventilator aussetzt, sollte daher regelmäßig prüfen, ob das Gerät noch die gewünschte Wirkung hat.
Die Luftfeuchtigkeit ist entscheidend
Allerdings ist die eigene Wahrnehmung kein sicherer Maßstab: Einerseits nehmen Menschen Hitze unterschiedlich wahr, zum anderen liegt bei Senioren die Körpertemperatur im Schnitt niedriger, weswegen bei ihnen der Ventilator schneller zum Hitzetreiber wird als bei jüngeren Menschen.
Leider lässt sich auch keine allgemeingültige Temperatur nennen, bei der der Ventilator abgeschaltet werden sollte. Zwar liegt die menschliche Körpertemperatur bei rund 37 Grad, dennoch kann ein Ventilator selbst dann noch kühlen, wenn die Außentemperatur darüber liegt. Denn ein zweiter Kühlfaktor muss berücksichtigt werden: Wir schwitzen.
Der Schweiß nimmt unsere Wärme auf, verdunstet und hinterlässt Kühle auf unserer Haut. Dieser Effekt funktioniert aber unterschiedlich gut, je nachdem, wie hoch die Luftfeuchtigkeit ist. Bei trockener Luft verdunstet der Schweiß schnell. In solchen Momenten kühlt uns vorrangig die Verdunstung, ein Ventilator hilft nur wenig oder schadet sogar, indem er immer neue Hitze zupustet.
Bei hoher Luftfeuchtigkeit hingegen verdunstet der Schweiß nur langsam, weil – bildlich gesprochen – die Luft nur noch wenig Platz für weiteren Wasserdampf hat. Unser Schweiß sättigt dann schnell die Luft um uns herum. In dem Moment hilft ein Ventilator, weil er die gesättigte Luft wegpustet und uns noch nicht gesättigte Luft zuführt. Dadurch spüren wir selbst dann noch eine Abkühlung, wenn die zugeführte Luft wärmer ist als wir, weil sie uns dabei unterstützt, den Schweiß loszuwerden.
Die Debatte verdeutlicht, wie wichtig unser eingebautes Kühlsystem, das Schwitzen, ist. Deswegen ist es so zentral, an heißen Tagen viel zu trinken. Und daher sollte streng auf den Flüssigkeitshaushalt älterer Menschen geachtet werden, deren Durstgefühl meist schwächer ausgeprägt ist. Wenn der Körper der enormen Hitze nicht standhält, hilft es auch, sich mit Wasser zu besprühen oder feuchte Tücher auf den Körper zu legen, um die Vorteile des Schwitzens künstlich herbeizuführen.
Generell sollte in diesen Tagen nicht allein auf das Thermometer geschaut werden, sondern auch die Luftfeuchtigkeit im Blick behalten werden. Warum über sie heftig gestritten wird, lesen Sie hier.
