Elektrolyte als Pulver oder als Getränkezusatz sind populär, doch zuweilen schädlich. Wir klären, ob und wann unser Körper diese tatsächlich braucht
An heißen Tagen dreht sich vieles um das richtige Trinken – und schnell fällt dabei das Stichwort «Elektrolyte». Doch was steckt eigentlich dahinter, und wann braucht unser Körper sie wirklich? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Was sind Elektrolyte und wofür benötigen wir sie?
Elektrolyte sind elektrisch geladene Atome oder Moleküle, die natürlicherweise im Wasser vorhanden sind. Mit ihrer Ladung sind sie essenziell für Prozesse im Körper, bei denen elektrische Spannung eine Rolle spielt, beispielsweise bei der Wirkungsweise von Muskel-, Herz- und Nervenzellen.
Verlieren wir über den Schweiß Elektrolyte?
Durchs Schwitzen gehen neben Wasser vorwiegend Natrium und Chlorid verloren, also jene Elemente, die zusammen Kochsalz (Natriumchlorid) bilden. Dieses nehmen wir über die Nahrung in ausreichend großen Mengen zu uns, oftmals auch in zu großen Mengen.
Zusätzlich verliert der Körper durch den Schweiß Kalium, Calcium und Magnesium, allerdings in geringen Mengen. Diese nehmen wir ebenfalls durch unsere Nahrung, aber auch durch mineralhaltiges Wasser auf. Wer an heißen Tagen also ausreichend mineralhaltiges Wasser trinkt, füllt nicht nur seinen Flüssigkeitshaushalt wieder auf, sondern auch seinen Elektrolythaushalt. Die Gefahr von einem Elektrolytmangel ist auch an heißen Tagen gering. Wenn Sie mehr Elektrolyte brauchen, trinken Sie Wasser mit einer Prise Salz und einem Schuss Fruchtsaft.
Ist Mineralwasser besser als Leitungswasser?
In Sozialen Medien wird vor Leitungswasser an heißen Tagen gewarnt, es beinhalte zu wenig Mineralien. Stattdessen solle man Mineralwasser trinken. Dem liegt zunächst ein Missverständnis des Wortes «Mineralwasser» zugrunde. Dieses sagt nichts über die Menge an Mineralien aus, sondern bloß, wo das Wasser herstammt, nämlich aus tiefen Quellen.
Leitungswasser wiederum stammt in Deutschland aus Grund- und Oberflächenwasser. Dieses wird sehr streng, deutlich strenger als Mineralwasser, kontrolliert. Der Gehalt an Mineralien schwankt sowohl bei Mineralwasser als auch bei Leitungswasser je nach Bezugsquelle. Zwar hat Mineralwasser in der Tendenz etwas mehr Mineralien. Aber, so schreibt die Stiftung Warentest: «Jedes zweite der 52 Produkte in unserem Mineralwasser-Test hat einen Gehalt von weniger als 500 Milligramm Mineralstoffen pro Liter. Da kann manches Leitungswasser locker mithalten.» Nebenbei ist Leitungswasser billiger und besser fürs Klima.
Wer auf seine Mineralzufuhr achten muss, sollte die Etiketten auf den Mineralflaschen vergleichen und zudem die Angaben des örtlichen Wasserwerks einholen. Generell reicht für die meisten Menschen die Mineralaufnahme per Nahrung und Leitungswasser aus.
Übrigens: Steht auf einer Flasche «Tafelwasser», kann das Wasser aus allen möglichen Orten stammen, auch aus dem Meer. Hier wird erst recht ersichtlich, dass gekauftes Wasser nicht zwangsläufig besser oder gesünder ist.
Sollte ich Elektrolytpulver zu mir nehmen?
Im Normalfall nein. Die meisten Menschen haben keinen Elektrolytmangel. Die Aufnahme durch ausgewogene Ernährung und Leitungswasser ist absolut ausreichend. Nur bei spezifischen Erkrankungen, bei Durchfall oder extremer sportlicher Betätigung können Elektrolytprodukte helfen.
Generell gilt bei Elektrolyten nicht: «Viel hilft viel». Man kann auch zu viele Elektrolyte haben. Wer daher über längere Zeit Elektrolytzusätze einnehmen will, sollte dies mit einem Arzt oder einer Ärztin abklären.
Und was ist mit sportlich aktiven Menschen?
Generell gilt: Ein verstärkter Elektrolytverlust tritt erst auf, wenn man über eine Stunde trainiert. Also reicht es auch für die meisten Hobbyläufer oder Sportlerinnen im Fitnessstudio, Wasser mit Fruchtsaft zu trinken. Mehr Informationen finden Sportlerinnen und Sportler in der Sportärztezeitung.
Allerdings gilt: Während der aktuellen Hitzewelle sollte man mit dem Sport einmal aussetzen.
